Am Mittwochabend habe ich auf einer Veranstaltung des Travel Industry Clubs zum Thema “Medienlandschaft und Kommunikationswege sind im Umbruch” Zitate eines Panelteilnehmers gehört wie “Facebook ist völlig überbewertet - oder erinnert sich heute noch jemand an Second Life?” (sinngemäß). Ich bin immer wieder überrascht, dass über das “Macht Social Media Sinn?” oder “Ist Social Media nur ein temporäres Phänomen?” überhaupt noch diskutiert wird. 100 Millionen Log Ins pro Tag bei Facebook sind Fakt, die Konsumenten entscheiden über ihre Mediennutzung, darüber brauchen wir nicht mehr zu diskutieren. Und genau diese Nutzung von Medien hat sich in den letzten fünf Jahren nachhaltig verändert, dieser Prozess wird sich in den kommenden fünf Jahren mit unveränderter Geschwindigkeit (oder sogar noch schneller) fortsetzen.
Ich bin da ganz bei Uwe - Internet heute heisst “sozial” in allen seinen Facetten. Und wenn sich einige branchenübergreifend dagegen wehren - bringt nichts - der Stein ist ins Rollen gekommen. Die von Uwe aus dem TIC gebrachten Zitate kannte ich bisher mehr aus den kleineren Unternehmen, die keine Zeit, kein Geld (die üblichen Argumente) haben. Das Beispiel aus Kanada zeigt übrigens genau das Gegenteil - es lohnt gerade bei kleineren Unternehmen. Es liegt in der Natur dieser Prozesse, dass sie sich ständig beschleunigen und stetig verändern. Ebenso passen wir uns an. Die mit dem Netz gross gewordene Generation wird es gar nicht mehr anders kennen und Menschen meines Alters (übrigens bei allen ausser RUF-Reisen die Zielgruppe Nummer 1) steht da nicht hintenan. Und vielleicht doch nochmal zu Second Life - die Idee dahinter kommt garantiert wieder. Wetten? Photo cc “Snow in the sunset von laurenatclemson bei Flickr”
Auf dem letzte Woche stattfindenden World Travel Market in London sollen TC und Intourist ihre gegenseitigen Gespräche nun erstmals in Schriftform gegossen haben. Von offizieller Seite bei TC und Intourist wie meist - “no comment”.
Im LoI geht es primär um die Schaffung eines Joint Venture. Das Kontrollpaket soll bei Intourist bleiben, die ihr gesamtes Reiseveranstaltergeschäft und das Vertriebsnetz einbringen wird. TC wird sich durch Investitionen und Technologie beteiligen. Insider gehen dabei von mehr als 40 Mio USD aus, was der Grösse des Investments der TUI in ihr Joint Venture entspräche.
Intourist hatte nach eigenen Angaben im letzten Jahr 1.600.000 Kunden, von denen 464.000 ins Ausland reisten. 328.000 kauften lediglich ein Flugticket über Intourist. 147.000 einheimische und 166.000 ausländische Gäste erholten sich mit Intourist in Russland. Das Vertriebsnetz von Intourist umfasst ca. 400 Büros, wovon etwa 100 Intourist selbst gehören. Umsatz 2008 - 615,6 Mio USD, Reingewinn - 800.000 USD.
photo credit: Leap Kye Sentiment Analysis misst dem Internet die Stimmungslage http://ff.im/-77npA General Motors: Twitter-Nutzer befördern Buick-Geländewagen in die Schrottpresse - Hut ab, GM lernt durch Leiden… http://ff.im/-77npx
Twitter fuegt Location Data zum Tweet - irgendwann demnaechst, fuer Tourismusunternehmen superinteressant http://ff.im/-77hHn
Im Juni 2009 hat ULYSSES (www.web-tourismus.de) sich mit dem Thema der zukünftig führenden Tourismustrend beschäftigt.
Hier erst mal die Zahlen (n=75):
Städtetourismus 36%
Kulturtourismus 32%
Wellness 32%
Gesundheitstourismus 28%
Abenteuertourismus 20%
Shoppingtourismus 4%
Gourmettourismus 0%
Die geringe Zahl der Befragten hat wohl zu der 0 bei den Gourmets geführt. Es war einfach keiner dabei.
Die Tendenzen sind aber auch so sichtbar. Städte / Kultur ist der eine Trend. Die 4% Shopper gehören wohl auch dahin. Wobei ich sicher bin, daß zu jeder Städtereise auch der Tagesordnungspunkt Shoppen gehört (dezidiert oder eher “zufällig”). Die Umsatzzahlen des Handels zeigen das auch.
Der zweite Trend (auch nicht neu) ist Wellness / Gesundheit, der deutlich näher in der Bedeutung an Städte / Kultur herangerückt ist. In diesem Segment sind auch die Potentiale für längere Kundenaufenthalte und das ist auch der Bereich der dem klassischen Beachholiday am ehesten Kunden abringen kann.
Diese Zahl des klassischen Beachholidays fehlt mir leider in der Umfrage.
Gerade in der jetzigen, von finanziellen Unsicherheiten und persönlichen Sparzwängen und –bedürfnissen geprägten Zeit, sollte der kurze Städte-/Kulturtourismus, der klassische Zweiturlaub, auf die Streichliste geraten sein. Ist er aber nicht, denn die realen Zahlen zeigen immer noch Zuwächse. Scheinbar trifft hier ein stärkeres trendbedingtes Wachstum auf einen weniger starken Nachfragerückgang.
Die klassische Studienreise (Bildungsreise) trotzt auch jeglichem Trend und hat scheinbar eine stabile und wachsende Anhängerschaft.
Die Quartalszahlen für den russischen Tourismus sind da. Quelle diesmal das amtliche Rosstat.
2009 – Anzahl der touristischen Ausreisen +0,06% = unverändert. Im Vergleich dazu jedoch der Zuwachs im 1. Quartal 2008 und 2007 = 29%. Der Zuwachs hielt dieses Jahr also nicht an. Aber derzeit ist man auch weit entfernt von den mit Schrecken erwarteten 20-30% Minus.
In absoluten Zahlen: 1.870.700 touristische Auslandsreisen aus Russland.
Land
1.Quartal 2009 Tsd.
1.Quartal 2008 Tsd.
Veränderung %
1
Ägypten
296,6
342,4
- 13,7
2
China
175,6
376,4
- 53
3
Finnland
167,8
181,1
- 7,3
4
Deutschland
84,6
74,7
+ 13,2
5
Türkei
74,5
61,1
+ 22
6
Thailand
74,3
130,5
- 43
7
Italien
63,7
74,2
- 14
8
VAE
54,1
74,4
- 27,2
9
Frankreich
48,6
53,1
- 8,4
10
Tschechien
44,9
51,5
- 12,8
Gesamt
1.870,7
1.869,5
Weitere Zuwächse ausserhalb dieser Top 10 gab es
nach Israel (+46,8%), begründet durch die Aufhebung des Visumzwangs,
in die USA (+47,4%), da sich die Visaerteilung stark vereinfacht hat,
in die Schweiz mit +22,7%.
Den Rekordeinbruch nach China kann man damit erklären, dass die Mehrzahl der “Touristen” in Wirklichkeit Kleinhändler waren, die sich auf chinesischen Märkten mit Waren zum Wiederverkauf in Russland eindeckten. Diese Gruppe waren von den Krisenerscheinungen in Russland als erste betroffen. Es waren keine 376.400 Russen, die die Verbotene Stadt sehen wollten, sondern primär “kleiner Grenzverkehr”.
Der in Kasachstan gelegene russische Weltraumbahnhof Baikonur soll in zwei bis drei Jahren für Touristen zugänglich sein. Darüber informierte der kasachische Minister für Tourismus und Sport; Termichan Dosmuhambetov.
Die notwendigen Arbeiten haben schon begonnen, so daß dann Touristen aus aller Welt den Start russischer Raumschiffe und Satelliten live beobachten können.
Damit hätte aus rein technischer Sicht Kasachstan einen ebensolchen Anziehungspunkt wie Florida. Nur der Strand und vieles, vieles andere der touristischen Infrastruktur wird dort fehlen.